Herzlich willkommen!

Wir möchten mit dieser Webseite über körperbezogene repetitive Verhaltensweisen (englisch: Body-focused repetitive behaviors, kurz: BFRBs) wie Nägelkauen, Trichotillomanie (Haareausreißen), Skin Picking (Pulen/Knibbeln an der Haut) oder Lippen-Wangen-Beißen aufklären und Betroffenen wissenschaftlich fundierte Selbsthilfetechniken kostenlos zur Verfügung stellen.

Die Prävalenzschätzungen für BFRBs variieren je nach spezifischer Verhaltensweise und zugrunde gelegten Diagnosekriterien. Klinisch bedeutsame BFRBs kommen in der Allgemeinbevölkerung häufig vor (Grant et al., 2020; Grant & Chamberlain, 2020; Houghton et al., 2018; Solley & Turner, 2018). Eine Studie von Moritz et al. (2024) zeigte, dass über alle BFRB-Subtypen hinweg bei mehr als 90 % der Bevölkerung im Laufe des Lebens zumindest milde Formen auftreten, wobei insbesondere gelegentliches Nägelkauen und Skin Picking weit verbreitet sind. Etwa 10 % der Bevölkerung weisen klinisch bedeutsame BFRB-Symptome auf, die mit Leidensdruck und sichtbaren Schäden an Haut, Haaren oder Nägeln einhergehen. Rund 24 % erleben im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine BFRB mit sichtbaren Folgen auf.

BFRBs beginnen häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter und können bis ins Erwachsenenalter fortbestehen (Lin et al., 2023). Ohne eine angemessene Behandlung können sie einen chronischen oder wiederkehrenden Verlauf nehmen und mit erheblichem Leidensdruck und psychosozialen Beeinträchtigungen verbunden sein. Trotz ihrer Häufigkeit und den damit verbundenen Belastungen sind BFRBs weiterhin unterbeforscht, werden oft gar nicht oder nicht rechtzeitig erkannt und diagnostiziert und bleiben vielfach unbehandelt. Viele Betroffene leiden daher im Stillen.

Obwohl ein großer Teil der Gesellschaft von diesen Problemen betroffen ist, gibt es verhältnismäßig wenig Angebote, die evidenzbasierte Hilfe anbieten. Eine aktuelle Studie mit 971 Betroffenen (Moritz et al., 2026) weist auf eine erhebliche Versorgungslücke hin: Nur 13,5 % der Befragten haben jemals nach professioneller Hilfe gesucht oder diese erhalten. Bis zur ersten Behandlung vergingen im Durchschnitt mehr als 11 Jahre. Selbst unter denjenigen, die professionelle Hilfe erhielten, berichteten rund 40 %, dass sie keine konkrete evidenzbasierte Empfehlung oder Behandlung erhalten haben.

Die gute Nachricht ist: Es gibt wirksame Hilfe und die Beschwerden sind behandelbar. Verhaltenstherapeutische Interventionen haben sich als wirksam erwiesen (Fisak et al., 2026; Loftus et al., 2025; Rahman et al., 2023) und auch digital vermittelte Interventionen stellen eine vielversprechende Behandlungsoption dar (Barber et al., 2026; Murase et al., 2025). Mit dieser Webseite möchten wir dazu beitragen, diese Versorgungslücke zu reduzieren und Sie eingehend darüber informieren, was Sie selbst gegen BFRBs tun können und an wen Sie sich wenden können, wenn Sie alleine nicht weiterkommen.

Diese Seite wurde gemeinsam von Prof. Dr. Steffen Moritz, Stella Schmotz und dem Team des Forschungsbereichs Neuropsychologie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg (UKE) entwickelt. Die Arbeitsgruppe forscht seit vielen Jahren zu körperbezogenen repetitiven Verhaltensweisen. Auf dieser Webseite finden Sie unter anderem ein von der Arbeitsgruppe entwickeltes Video, in dem verschiedene Selbsthilfetechniken, deren Wirksamkeit in wissenschaftlichen Studien untersucht wurde, vermittelt werden.

Aber: Jede betroffene Person „tickt“ anders, und was für die eine Person hilfreich ist, kann bei der anderen wirkungslos sein. Daher finden Sie hier Selbsthilfeliteratur sowie Tipps und Hilfsmittel, die Betroffene sich gegenseitig empfehlen und von denen wir überzeugt sind, dass sie hilfreich sind und keine Vermeidungsstrategien darstellen.

Und jetzt – wie beginnen? Betroffenen raten wir, sich als Erstes das Video anzusehen, das anschaulich effektive verhaltenstherapeutische Techniken gegen körperbezogene Impulskontrollstörungen vermittelt. Wenn Ihnen eine schriftliche Anleitung eher liegt, können Sie sich auch den inhaltsgleichen Text durchlesen. Dies ist auch zur Vertiefung des Verständnisses sehr hilfreich. Die Störung ist wie ein perfekter Sturm, bei dem mehrere Dinge zusammenkommen, sodass wir Ihnen empfehlen, diese Techniken nach und nach um weitere Methoden zu ergänzen, z.B. indem Sie unsere App COGITO (zur Stärkung von Selbstwert und Wohlbefinden) herunterladen, sich mit anderen Betroffenen austauschen (siehe Links, Videos und Mehr) oder (Pflege-)Produkte ausprobieren, um den Drang zu reduzieren, den eigenen Körper zu schädigen (siehe Hilfreiches).

Sie kennen eine Person, die von einer körperbezogenen Impulskontrollstörung betroffen ist und möchten sich über das Thema informieren und Ihr Verständnis vertiefen, um der Person zu helfen? Hier finden Sie einige Anlaufstellen um sich mit anderen Angehörigen oder Betroffenen auszutauschen (siehe Links, Videos und Mehr), sowie Ratgeber, die sich ebenfalls an angehörige Personen richten (siehe Ratgeber). Unter Symptome finden Sie Informationen zu den einzelnen Störungsbildern.

Wir verfolgen mit dieser Seite keine kommerziellen Absichten. Die Erlöse, die wir durch Verlinkung auf Drittprodukte erzielen, setzen wir ein, um die Kosten für Wartung und Pflege dieser Seite zu finanzieren.

Diese Webseite ist nicht interaktiv. Falls Sie einen Austausch mit anderen Betroffenen suchen, empfehlen wir die Webseite der TLC Foundation of Body-Focused Repetetive Behaviors sowie Facebook-Gruppen (siehe auch Links, Videos und Mehr). Wir raten Ihnen allerdings, immer genau zu prüfen, ob dort vermittelte Tipps echte Hilfe bieten oder geschickt platzierte Werbung bzw. Vermeidungsstrategien darstellen. Auch die deutsche Seite von Dr. Christina Gallinat können wir sehr empfehlen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und Schauen des Videos. Viel Erfolg!

Literatur

Barber, K. E., Cram, I. F., Smith, E. C., Woods, D. W., & Lee, H. J. (2026). Effectiveness of digitally-delivered interventions for trichotillomania and skin picking disorder: a systematic review and meta-analysis. Journal of Psychiatric Research, 196, 244–256. https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2026.02.020

Fisak, B., Shorb, C., Patel, D., & Ezcurra, V. (2026). The efficacy of psychotherapeutic and pharmacological interventions for trichotillomania: a review and meta-analysis. Journal of Psychiatric Research, 197, 264–274. https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2026.02.029

Grant, J. E., & Chamberlain, S. R. (2020). Prevalence of skin picking (excoriation) disorder. Journal of Psychiatric Research, 130, 57–60. https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2020.06.033

Grant, J. E., Dougherty, D. D., & Chamberlain, S. R. (2020). Prevalence, gender correlates, and co-morbidity of trichotillomania. Psychiatry Research, 288, 112948. https://doi.org/10.1016/j.psychres.2020.112948

Houghton, D. C., Alexander, J. R., Bauer, C. C., & Woods, D. W. (2018). Body-focused repetitive behaviors: more prevalent than once thought? Psychiatry Research, 270, 389–393. https://doi.org/10.1016/j.psychres.2018.10.002

Lin, A., Farhat, L. C., Flores, J. M., Levine, J. L. S., Fernandez, T. V., Bloch, M. H., & Olfson, E. (2023). Characteristics of trichotillomania and excoriation disorder across the lifespan. Psychiatry Research, 322, 115120. https://doi.org/10.1016/j.psychres.2023.115120

Loftus, H., Cassidy, C., Mun, L., & Jafferany, M. (2025). A systematic review of nonpharmacological treatment options for skin picking disorder. Clinical and Experimental Dermatology, 50(2), 299–306. https://doi.org/10.1093/ced/llae366

Moritz, S., Borgmann, L., Rojahn, K. M., Jelinek, L., & Schmotz, S. (2026). The silent struggle: barriers, delays, and missed opportunities in the treatment of body-focused repetitive behaviors. Comprehensive Psychiatry, 152733. https://doi.org/10.1016/j.comppsych.2026.152733

Moritz, S., Scheunemann, J., Jelinek, L., Penney, D., Schmotz, S., Hoyer, L., Grudzień, D., & Aleksandrowicz, A. (2024). Prevalence of body-focused repetitive behaviors and disorders in a representative population sample – rates across age, gender, race, and education. Psychological Medicine, 54(8), 1552–1558. https://doi.org/10.1017/S0033291723003392

Murase, E. M., Raygani, S., & Murase, J. E. (2025). Narrative review of internet-based self-help tools for body-focused repetitive behaviors: recommendations for clinical practice. Dermatology and Therapy, 15(4), 811–818. https://doi.org/10.1007/s13555-025-01380-8

Rahman, S. M., Jafferany, M., & Barkauskaite, R. (2023). Habit-reversal training: a psychotherapeutic approach in treating body-focused repetitive behaviour disorders. Clinical and Experimental Dermatology, 48(12), 1310–1316. https://doi.org/10.1093/ced/llad247

Solley, K., & Turner, C. (2018). Prevalence and correlates of clinically significant body-focused repetitive behaviors in a non-clinical sample. Comprehensive Psychiatry, 86, 9–18. https://doi.org/10.1016/j.comppsych.2018.06.014